Keine Räumung am 18.06.!

Es begann um kurz vor fünf Uhr morgens. Eine Handvoll Wannen der Berliner Polizei reitet in die Brunnenstraße rein, postiert sich vor der 183, während Polizist_innen Dinge, die sie für Barrikadenmaterial halten wegräumen. Kurz später kommt Nachschub und postiert sich rund um die Polizeiwache an der Ecke Brunnenstraße/Invalidenstraße. Alarm wird ausgelöst. Zu den etwa 100 Menschen, die schon vorher vor der 183 und im Umsonstladen ausgeharrt hatten, stoßen weitere. Bald sind etwa 200 Menschen vor Ort. Die Polizei zieht sich vom Haus zurück bis vor die Polizeiwache. Vier Menschen werden gecatcht. Ihr einziges Vergehen war es schwarz gekleidet zu sein und aus einer Richtung zu kommen, in der nach Angaben der Polizei irgendwo weit weg Mülltonnen gebrannt haben sollen. Etwa um sechs Uhr kommen die Menschen wieder frei. Wenig später kommen zwei Cops und zwei Politiker_innen zum Haus und versichern, es werde in den nächsten Tagen keine Räumung geben. Die Polizei sei nur angerückt, weil sie befürchteten, es könnten Barrikaden gebaut und die Straße blockiert werden. In der Folge entspannt sich die Lage. Warum letztendlich kein Räumungsversuch unternommen wurde, bleibt unklar. Möglicherweise war der erstrittene Räumungsaufschub der ausschlaggebende Grund. Vielleicht haben aber auch die zahlreichen militanten Aktionen während der Action Weeks dazu beigetragen. Widerstand zahlt sich aus!

Diese erste Runde geht an uns. Es ist der 19.06. und die 183 ist immer noch besetzt. Doch die Auseinandersetzung ist noch nicht vorüber. Bleibt vorbereitet!

Keine Räumung! Nirgendwann!

wir bleiben alle!

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1 Antwort auf „Keine Räumung am 18.06.!“


  1. 1 ramzan 21. Juni 2009 um 11:50 Uhr

    das derzeitige idealistische freiraumdenken in dem nur eine bestimmte politische korrektheit zum maß genommen wird, ist realitätsfern, ignorant und kann daher keine produktive antwort auf die internen verhältnisse in politischen projekten geben. sie verstellt sie nur. ohne jede chance wird damit jeder fortschritt von anfang an verbaut.

    die selbstbefragung der menschen aus der brunnen 183 wieso leute ihnen helfen sollen ist begrüßenswert.
    wenn jedoch die kritik anderer projekte oder einzelpersonen, sich auf mehr oder weniger schwach formulierten vorwürfen (sexismus, drogenabhängigkeit,unpolitische einstellung)
    aufbaut, die so gesehen ja nun wirklich in jedem raum und freiraum ständig passieren dann kann man damit nicht wirklich
    was anfangen, geschweige denn ein richtiges handeln ableiten. sexistisches verhalten, ja sogar vergewaltigungen u.ä. trifft man leider auch in linken projekten immer wieder. löst man deswegen jedes autonome zentrum in stadt xy auf? wo in der gesellschaft werden bitte keine substanzen konsumiert, mit als schlecht verschrieen wirkungen? und was ist denn bitte unpolitisch und wo fängt politische betätigung an?
    diese art vorwürfe sind rumdoktereien an phänomen, die nicht ein produkt von besetzten häusern sind, sondern die schon vorher da waren und die unser alltag ständig begünstigt oder provoziert.

    damit soll überhaupt keiner der punkte realitiviert werden, aber vorkommnisse dieser art sind etwas mit dem man immer rechnen muss und über die man ständig kommunizieren muss und für die kein hauskollektiv verurteilt werden kann. es gibt es kein patentrezept, was zu einem super korrekten wohnklima führt in dem jedem und jeder bewohner_in drei sternchen in den ausweis stempelt werden. alle machen fehler und in einigen fällen müssen auch ernste konsequenzen folgen, aber es verwundert schon wie unreflektiert und moralisch „die szene“ mit diesen altbekannten zuständen umgeht. der fokus auf das kritikable der brunnen 183, lenkt von dem ab, um das es bei jedem häuserkampf schließlich geht. das auch die brunnen 183 einen praktischen infragestellungsversuch der hiesigen eigentumsverhältnisse darstellt, den sich im prinzip alle „radikalen linken“ so oder so ähnlich auf die fahne schreiben wenn man sie denn mal fragt, ja das spielt angesichts der verurteilung des bewohnerinnenverhaltens plötzlich keine oder kaum eine rolle mehr. so scheint es zumindest nach außen. wenn man sich die grundlegende antikapitalistische position zu eigen macht und ernst nimmt, dann muss man die vorbehalte gegenüber dem spezifischen hausverhältnissen wie sie sich derzeit geben auch mal für den moment stecken lassen. die aufhebung von kapital in form von immobilien ist fundamentaler für die menschen, weil es sie existenziell viel stärker betrifft. wohnen ist ein grundbedürfnis was sich zur not auch gänzlich ohne politische orientierung realisiert. was wäre das für eine berliner linke die zwar ihren persönlichen freiraum haben will, aber piefi-spießi sich der solidarität mit einer potentiell vorstellbaren (warten wir mal ab) verarmten berliner masse von wohnungslosen verwehrt? aber soweit ist es ja noch nicht mal in berlin, man hackt ja auf wirklich nahestehende (aber in den umsonstladen ging man doch manchmal gerne). in anderen ländern besetzen und instandsetzen ganze massen von normalen menschen (ja iehh bürger!) wohnraum und nicht selbstzufriedene subkulturen. das sollte mal zu denken geben. enteignung ist nicht sache einer elitären minderheit sondern ist ein projekt an am alle arbeiten müssen und sollen. insofern sind die menschen aus der brunnen 183 schön blöd, wenn sie sich in dieser situation den kopf darüber zerbricht, was denn nun gerade diese „szene“ von ihnen denkt und ob sie noch dazu gehören DARF! dieser anerkennungsbedarf sollte endlich abgelegt werden und veranschaulicht die reationären tendenzen der deutschen linken.

    freiräume fallen nicht aus dem himmel. kein freiraum ohne häuserkampf. es gibt keine guten hauseigentümer_innen. brunnen 183 unterstützen.

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